Seelenmord 


In der Lebensfrüh
strampelnder Beinesweichen
schreit ein erkaltend Kind
nach Schutzeichenblättern
zwischen Steinhagelwettern.

Zwei Beine entstellt.
Ein schlummernd Gehirn vergällt.
Knieerweichend in der Gitterwelt
in Todestiefen geschnellt.
Verfangen in Stäben kreuz und verquer.
Der Einschlag versandet im Erinnerungsteer.
Kein Bär will zur Welt hin tragen.

Ein Hiebesmeer prasselt.
Ein Diebesheer rasselt
und zwängt die Seele
vor dem Erwachen
in taubraubstumme Schluchten.
Demütigend Kreuzeswuchten
nageln Zweiweltenbuchten
ins Seelenfleisch.

Der Geist kluftet das Innenkind
sterbewund und geschwind.
Ein Körper stummt gittergleich
und entkommt dem Todesreich.

Spinnweben beschützen das Nimmerkind
vor dem mutterbevatert Enteignungswind
in geistdrohender Nacht
durch schweißtropfend Tage
und Tage und Nächte und Jahre
und meucheln wankende Beine
vor dem Tod ins lebende Kindergrab.

Zwei Seelen in kleiner Brust.
Das Kind beschreit den unsichtigen Mord
und zieht vor Gericht
ohne Wahrheitsgewicht.

Bis das röchelnd Dazwischenblut
nach endlosen Entlebungszeiten
die gefernte Seele dem
streunenden Leib erbricht.
Das Dammgesicht berstet und
tobt todesbedroht
ein entstelltes Kindergesicht
in der Erwachsenen Liebesnot.

1.11.94 ©

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